FOAF

FOAF – Friend of a Friend

FOAF steht für “Friend of a Friend” und ist ein Projekt, das die semantischen Technologien nutzt, um Menschen und ihre Beziehungen untereinander, ihre Interessen und Aktivitäten, in maschinen-verständlicher Form darzustellen. Es könnte demnach als eine Art dezentrales soziales Netzwerk (social network) beschrieben werden. Gegründet wurde FOAF von Dan Brickley and Libby Miller als offene, von einer freiwilligen Gemeinschaft vorangetriebene, Initiative. Aus technologischer Sicht ist FOAF ein auf RDFS basierendes Vokabular, das die Klassen und Eigenschaften der Menschen und ihrer Beziehungen untereinander allgemeingültig und eindeutig definiert. Die persönlichen Informationen werden in einem RDF-Dokument gespeichert, auf einem Webserver abgelegt und sind auf diese Weise im World Wide Web verfügbar. Neben persönlichen Informationen wie Titel, Name, E-Mail Adresse und Website kann diese RDFDatei alle erdenklichen Beschreibungen enthalten wie zum Beispiel eine Beschreibung der Arbeitsstelle, der Schule und Universität und der Leute, die man kennt. Durch die semantische Beschreibung dieser Daten werden Maschinen sie interpretieren und miteinander kombinieren können.¹

Die Problematik, dass RDF und Ontologien nicht ohne weiteres von Laien verstanden und angewendet werden können, konnte mittlerweile durch eine Art Editor (eine auf Javascript basierende Anwendung) zum Erstellen der RDF-Datei umgangen werden. Die folgende Abbildung zeigt den von Leigh Dodds entwickelten Editor zum Erstellen der FOAF-RDF-Datei FOAF-a-Matic, mit dem auch Laien eine solche Datei erstellen können.

foaf

Aus diesen Eingaben generiert der Editor dann das RDF-Dokument, wie die folgende Abbildung zeigt.

foaf_rdf

Semantische Web Crawler, Programme, die das WWW nach Informationen durchsuchen und die Metadaten aufnehmen, können dann den Verlinkungen zu den FOAF-Dateien der Freunde folgen und dadurch die sozialen Netzwerke abbilden. Auch hier steigt der Wert, den FOAF bietet, mit jedem weiteren Teilnehmer – das Netzwerk profitiert also auch vom Netzwerkeffekt. Je mehr Menschen sich und ihre Beziehungen zu anderen Menschen beschreiben, desto mehr Wert entsteht insgesamt und komplexe Anfragen werden möglich. Sind in der RDF-Datei zum Beispiel die Freunde und in deren RDF-Dateien deren Interessen definiert, könnten komplexe Anfrage wie: “Zeige mir alle Freunde von Holger Sistig, die sich für Basketball und Reisen interessieren.”, ausgeführt werden. Die Anwendungsmöglichkeiten könnten in Zukunft noch weit über diese Zwecke hinausgehen, und überall dort eine wichtige Rolle spielen, wo personenbezogene Daten relevant sind, konstatiert Leigh Dodds.²

Mit der Zeit wird die Integration von Informationen in die eigene FOAF-Datei einfacher werden. Es könnten dann zum Beispiel die Kontakte aus dem E-Mail Programm, vom Handy und vor allem auch aus den diversen zentralen sozialen Netzwerken (Xing, Facebook, LinkedIn, StudiVZ, Friendster, Orkut etc.) in die eigene FOAF-Datei semantisch überführt werden. Somit wäre es möglich, sein gesamtes persönliches Netzwerk in einer zentralen FOAF-Datei abzubilden und dadurch bei der Anmeldung in einem neuen Netzwerk das bestehende Netzwerk in einem Zug zu importieren. Ob das im Sinne der zentralen sozialen Netzwerke ist und diese die semantischen Technologien adaptieren, ist stark zu bezweifeln. Denn die einzelnen Netzwerke der Nutzer und deren Aktivitäten untereinander (social graph) sind das Kapital der sozialen Netzwerke. Die aktuelle Aufgabe der FOAF-Community ist es demnach Werkzeuge zum Benutzen und Finden der FOAF-Angaben zu entwickeln.

Weiter geht es mit Noserub.de – ein dezentrales soziales Netzwerk.


¹Dan Brickley, Libby Miller (2008): foaf project. Online verfügbar unter http://www.foaf-project.org, zuletzt geprüft am 10.05.2008.
² Leigh Dodds: FOAF-a-Matic. Editor zum Erstellen einer RDF-FOAF-Datei. Herausgegeben von Leigh Dodds. Online verfügbar unter http://www.ldodds.com/foaf/foaf-amatic, zuletzt geprüft am 10.05.2008.

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