Entwicklung des Schichtenmodells

Das ursprüngliche Schichtenmodell, das Tim Berners-Lee am 06. Dezember 2000 auf der Konferenz “XML 2000” präsentierte, hat die Fortentwicklung des semantischen Webs überhaupt erst ermöglicht.

Denn anstatt die Idee des semantischen Webs als abstraktes Konstrukt zu beschreiben, hat er eine konkrete Architektur von aufeinander aufbauenden Technologien vorgeschlagen, die die Entwicklergemeinschaft dazu befähigt, die verschiedenen Technologien zu diskutieren, Fehler zu erkennen und Berichtigungen vorzunehmen. Er hat sozusagen einen Orientierungsraum geschaffen, der Dissens und Konsens fördert und so die Entwicklung beschleunigt. So wurden inzwischen viele modifizierte Versionen des semantischen Schichtenmodells von unterschiedlichen Forschungsgruppen veröffentlicht und innerhalb der Entwicklergemeinschaft zur Diskussion gestellt. Einige Verbesserungsvorschläge wurden übernommen und an das Schichtenmodell adaptiert, einige wurden wieder verworfen. Die Standardisierung von Technologien ist ein entscheidender Schritt zur allgemeinen Verbreitung der semantischen Technologien und somit zur Verwirklichung des semantischen Webs. Ein Schichtenmodell vorzuschlagen, dass einzelne Technologien präsentiert und zur Diskussion stellt, ist ein hervorragender Weg, die Technologien von der Allgemeinheit, insbesondere aber auch von den an das W3C-Konsortium angeschlossenen Universitäten und Unternehmen prüfen zu lassen und sich so letztendlich schneller auf einen gemeinsamen Standard zu einigen. Im Jahre 2007 hat das W3C-Konsortium schließlich eine neue Version des Schichtenmodells veröffentlicht, in das die Erkenntnisse aus dem wissenschaftlichen Diskurs der vergangenen Jahre eingeflossen sind.

Die folgende Abbildung zeigt die aktuelle, offizielle Version des semantischen Schichtenmodells.

Wirklich neu hinzugekommen sind in diesem Schichtenmodell das “Rule Interchange Format (RIF)” und die Anfragesprache “SPARQL”. “IRI” stellt eine Ergänzung des Uniform Resource Identifiers dar.

IRI steht für “Internationalized Resource Identifiers” und ist lediglich ein zusätzliches Protokoll als Ergänzung zum Uniform Resource Identifier (URI). Diese internationalisierte Form der URIs erweitern die erlaubten Zeichen um fast alle Zeichen des Universal Character Sets (Unicode/ISO10646).¹

SPARQL ist eine der aktuellsten W3C-Recommendations vom 15. Februar 2008. SPARQL ist eine Anfragesprache für die in RDF spezifizierten Informationen und die Darstellung dieser Informationen. Die Anfragesprache lässt komplexere Anfragen zu und ermöglicht verschiedenste Darstellungen und Filter bei der Ausgabe – was so vorher nicht ohne weiteres möglich war.²

RIF steht für “Rule Interchange Format” und ist zurzeit noch kein offizieller Standard. Die Arbeitsgruppe des W3C-Konsortiums entwickelt eine allgemeingültiges Format zum Austausch von Regeln und deren Erweiterungen, die es gemeinsam ermöglichen sollen, Regeln und die dadurch möglichen automatischen Schlussfolgerungen zwischen verschiedenen Regelsprachen zu übersetzen und somit bestimmte Regelsprachen von einem Regelsystem zum anderen zu transferieren.³

In dieser Weise arbeitet sich das W3C-Konsortium langsam in Richtung vollständiger Verwirklichung des semantischen Webs vor. Ohne das ursprüngliche Schichtenmodell wäre kein wissenschaftlicher Diskurs und somit kein Fortschritt in der Entwicklung zum finalen Modell entstanden. Je mehr wissenschaftliche Auseinandersetzung, desto mehr Konsens. Je eher Konsens, desto schneller wird eine Technologie zum allgemeingültigen W3C-Standard. Je mehr allgemeingültige Standards verfügbar sind, desto schneller werden Unternehmen die Technologien in ihre Systeme integrieren und das semantische Web Wirklichkeit werden.


¹ M. Duerst (2003): Internationalized Resource Identifiers (IRIs). Unter Mitarbeit von M. Suignard. Herausgegeben von W3C-Konsortium. Online verfügbar unter https://www.w3.org/International/iri-edit/draft-duerst- iri-04.txt, zuletzt geprüft am 01.05.2008.
² Pascal Hitzler, Markus Krötzsch, Sebastian Rudolph, York Sure (2008): Semantic Web. Grundlagen. 1. Aufl.: Springer, S. 202–241.
³ Sandro Hawke (2005): Rule Interchange Format. Working Group Charter. Unter Mitarbeit von diversen Mitarbeitern. Herausgegeben von W3C-Konsortium. Online verfügbar unter https://www.w3.org/2005/rules/ wg/charter.html, zuletzt geprüft am 04.05.2008.

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