Ontology Web Language (OWL)

Wie bereits erwähnt, wurde die “Web Ontology Language” am 10. Februar 2004 eine offizielle Empfehlung des W3C-Konsortiums und somit allgemein verfügbare semantische Auszeichnungssprache, um Ontologien zu veröffentlichen und zu teilen.¹

Dabei hatten sowohl Forschungsgruppen aus den USA als auch aus Europa den Bedarf nach einer Auszeichungssprache zur Modellierung von Ontologien identifiziert. So entstand eine Initiative zur Definition einer reichhaltigeren Sprache, um Ontologien auszudrücken, die sich DAML+OIL nennt. Sie bildete sich aus dem amerikanischen Vorschlag DAML+ONT und der europäischen Sprache OIL. Somit wurde die Programmiersprache DAML+OIL Aussgangspunkt für die W3C Web Ontology Working Group² beim Definieren der Ontology Web Language. Anschließend wurden eine Reihe von Anforderungen an eine Ontology Web Language aufgestellt.

Diese Hauptanforderungen sind:

  • eine gut definierte Syntax
  • effiziente Unterstützung beim automatischen Schlussfolgern
  • eine formale Semantik und
  • ausreichende Kraft zur Abbildung der Ontologien

Aus der Problematik heraus all diesen Anforderungen und um den Mängel des Ressource Description Frameworks (RDF) und des Ressource Description Framework Schema (RDFS) gerecht zu werden, definierte die W3C Web Ontology Working Group drei unterschiedliche (Unter-) Sprachen, die jeweils ausgerichtet sind, verschiedene Aspekte dieser Anforderungen zu erfüllen. Die “OWL Full”, die “OWL DL”, wobei DL für “Description Logic” steht, und die “OWL Lite”.

OWL Full. Dies ist die vollständigste Sprache und gebraucht sämtliche Modellierungsprimitive. Sie ermöglicht die umfassende Interpretation der vollständigen OWL-Modellierungsprimitive entsprechend der Möglichkeiten, die durch RDF vorgegeben werden. Dabei ist OWL Full absolut aufwärtskompatibel zu RDF, d.h. jedes zulässige RDF-Dokument entspricht einem zulässigen OWLDokument. Gleichzeitig liegt hierin auch ein Nachteil von OWL Full. Die Ausdrucksmächtigkeit ist so groß, dass nicht jede OWL-Full-Ontologie hinsichtlich ihrer Schlussfolgerungsmöglichkeiten überhaupt comtergestützt verwendet werden kann.

OWL DL. Diese Sprache zur Formulierung von Ontologien umfasst auch die vollständigen OWL-Modellierungsprimitive. Diese können jedoch nur einge schränkt verwendet und interpretiert werden. Damit wird das Ziel verfolgt, dass ein OWL DL Programmiercode hinsichtlich seiner Schlussfolgerungen noch in endlicher Zeit ausgeführt werden kann. Diese Beschränkungen gehen jedoch wiederum zu Lasten einer vollständigen Kompatibilität mit RDF und RDFS.

OWL Lite. OWL Lite ist die einfachste Ontology Web Language und ist darauf beschränkt, Hierarchien von Konzepten mit einfachen Beschränkungseigenschaften (Nebenbedingungen) auszudrücken. OWL Lite dient hauptsächlich der schnellen Integration bereits existierender Klassifikationssysteme.³

Sicherlich ist die Ontology Web Language nicht die letzte Entwicklung zur Abbildung von Ontologien im semantischen Web. Eine Reihe von weiteren benötigten Funktionen sind bereits identifiziert und werden innerhalb der Entwicklergemeinschaft diskutiert. Nur so ist Weiterentwicklung möglich. Zurzeit aber bestehen zum Beispiel noch Probleme beim Import von Ontologien.

Der Import fremder Ontologien wird eine Grundfunktion im semantischen Web sein. Zurzeit ist die Importfunktion der Ontology Web Language sehr trivial, denn sie erlaubt nur das Importieren einer vollständigen Ontolgie, die durch eine Lokation spezifiziert ist. Das bedeutet, selbst wenn man nur einen kleinen Teil einer fremden Ontologie nutzen möchte, ist man gezwungen, die komplette Ontologie zu importieren.4

Weiter geht es mit Logik und Schlussfolgerungen.


¹ Sean Bechhofer, Frank van Harmelen, Jim Hendler, Ian Horrocks, Deborah L. McGuinness, Peter F. Patel-Schneider, Lynn Andrea Stein (2004): OWL Web Ontology Language Reference. W3C Recommendation 10 February 2004. Unter Mitarbeit von Mike Dean, Guus Schreiber. Online verfügbar unter http://www.w3.org/TR/2004/REC-owl-ref-20040210/, zuletzt geprüft am 26.04.2008.
² diverse Teilnehmer: Web-Ontology (WebOnt) Working Group. Online verfügbar unter http://www.w3.org/
2001/sw/WebOnt/, zuletzt geprüft am 26.04.2008.
³ Lars U. Dittmann (2007): OntoFMEA. Ontologiebasierte Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse. Information – Organisation – Produktion. 1. Aufl. Herausgegeben von Hans Corten, Michael Reiß, Claus Steinle, Stephan Zelewski: Deutscher Universitätsverlag (DUV), S. 108–109.
4 Frank Hermelen, Grigoris Antoniou (2004): A Semantic Web Primer. Herausgegeben von The MIT Press.

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